Hochsensibel

Seit ich die Schatzkarten-Gespräche anbiete, habe ich mit vielen sympathischen, begabten, kreativen, mutigen Menschen über ihre Begabungen, Lebenswege, Herausforderungen, Erfahrungen und Bedürfnisse gesprochen.

In diesen Gesprächen ging es auch um die Themen Wahrnehmung, Verletzlichkeit, inneres Kind, Einflüsse auf die Persönlichkeit und das Verhalten von Familie, Schule, Gesellschaft und wie es manchmal schwer sein kann, sich davon zu befreien, um das zu machen, was einem wichtig ist. Um der Mensch zu werden, dessen Potential die Sterne so klar und hilfreich beschreiben können.

Ich habe selbst lange mit diesen Fragen gearbeitet, an den Antworten gebastelt und viel gelernt. Auf diesem Weg war auch die psychologische Forschung mit dem Thema Hochsensibilität sehr nützlich. Es gibt viele Websites darüber, verschiedene PsychologInnen und HeilpraktikerInnen haben gute Bücher darüber geschrieben. Ich habe mit dem Buch „The Highly Sensitive Person. How to Thrive when the World overwhelms you“ der Psychotherapeutin und HSP-Forscherin Elaine N. Aron gearbeitet und kann es von Herzen empfehlen.

Offenbar haben etwa 20% bis ein Drittel der Menschen eine hochsensible Wahrnehmung, die es ihnen erlaubt, sehr kreativ, sehr aufmerksam für die feinen Details und Emotionen ihrer Umgebung und offen für Empflindungen von Geräuschen, Farben, Gerüchen, Gefühlszuständen anderer Menschen etc. Das ist in unserer Gesellschaft eine Herausforderung, da gerade in Städten wie Berlin eine Fülle von Eindrücken und Energien permanent in der Luft und zwischen den Menschen herumsausen, das man wirklich gut trainieren muss, um mit der hochsensiblen Wahrnehmung gut zu leben.

Es ist mein Wunsch, dass dieses Thema insgesamt bekannt wird, da es vielen Menschen schon hilft, zu wissen, dass was man fühlt und wie man sich im Umgang mit anderen erlebt, keine persönliche Schwäche oder ein Mangel an Sozialkompetenz ist, sondern eine vollkommen akzeptable Art der Wahrnehmung, die sicher einiges an Training verlangt, aber ihre wunderbaren Seiten hat: eine sehr lebendige Kreativität, ein tiefes Empfinden von Freude und ein Gespür für die Schönheit der Natur, eine sehr große Fähigkeit, zu lieben und eine starke Verbindung zu Tieren und Kindern. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt.

Auf der anderen Seite kann man sich, wenn man z B an einem hektischen, lauten Ort arbeitet, in einer schwierigen Beziehung lebt oder oft von vielen Menschen umgeben ist (wie in der UBahn oder in Kaufhäusern), oft sehr müde und ausgesaugt fühlen. Das ist ein Hinweis auf sensible Wahrnehmung, den man annehmen kann und somit den Weg begeht, etwas zu ändern. Sobald man die Sensibilität nicht mehr als zusätzliche Last, oder ungewollte Zutat der eigenen Persönlichkeit sieht, kann man damit arbeiten und sich in kleinen oder großen Schritten emanzipieren: Das Leben immer mehr danach ausrichten, was für mich – jetzt – hier – in dieser Lebensphase gut ist. Vielleicht weniger UBahn fahren, oder einmal mehr in den Park gehen, oder einen Tag zu Hause bleiben und die kreativen Bilder fließen lassen … was es auch ist, es gibt immer einen Hebel, an dem man beginnen kann, etwas zu bewegen.

Ich möchte gerne ein Teil der Menschen sein, die nicht verstecken, dass sie großherzig, aufmerksam, mitfühlend, kreativ, und noch viel mehr sind, und ich möchte andere Menschen dazu ermuntern, die eigene Zartheit anzunehmen und damit zu arbeiten.

Meine Erfahrung ist, dass man sehr viel lernt, wenn man immer wieder in den Modus des Annehmens geht und sich nicht verurteilt – was unsere Gesellschaft uns nahelegt – sondern geduldig und konsequent dabei bleibt, dass man mit einem großen Schatz an Ressourcen geboren wurde und diese Stück für Stück in die Welt gebracht werden wollen. Das sagen übrigens auch alle Sternkarten, die ich für meine Arbeit erforscht habe. Es gibt immer ein individuelles, sehr komplexes Potential, in jedem Menschen, in jedem Geburtshorokop.

Wenn all die introvertierten, hochsensiblen Superbrains und Superhearts sich verstecken würden, gäbe es heute keine Chopin-Musik, keine Macbooks, viele Kunstwerke würden fehlen und viele Erfindungen auch. Darüber schreibt auch die Verhandlungstrainerin und Google-Beraterin Susan Cain in „Still. Die Kraft der Introvertierten“. Hochsensible Menschen, die an ihre Visionen und Ziele glauben, bereichern uns alle. Sie erzählt von heute weltberühmten introvertierten Menschen wie Joanne K. Rowling, Steve Jobs, Frederic Chopin und viele andere Heldinnen und Helden, die jahrelang in ihren Werkstätten, Garagen oder woanders ihre Werke vorbereitet und ausgefeilt haben, bis sie irgendwann durch verschiedenste Umstände bekannt und berühmt wurden.

Mein Eindruck ist, dass es viele gibt, die von sich nicht wissen, dass sie hochsensibel sind, und mit sich hadern, es schwer haben und mehr von sich verlangen, als gut für sie ist. Ich habe es lange Zeit genauso gemacht, das ist schließlich auch die Mission, die unser Erziehungssystem vertritt. Man muss sich so anpassen und so viele Ideen und grundlegende Bedürfnisse verdrängen, um durch ein Schuljahr, schon um durch einen einzigen Schultag zu kommen. Ganz zu schweigen von vielen Arbeitsplätzen, Familienkonstellationen und gesellschaftlichen Situationen.

Ich möchte also alle einladen, sich selbst zu fragen oder zu erforschen: Wie gehe ich mit meiner Wahrnehmung um? Nehme ich meine Bauchgefühle ernst? Brauche ich in manchen Lebensbereichen etwas vollkommen anderes als das, was ich habe? Was sind meine tiefsten Bedürfnisse? Wie geht es mir, wenn ich Freundin A oder Freund B getroffen habe? Was sagt mein Körper zu meinem Alltag?  Was macht mich wirklich glücklich? Wie oft mache ich das? Und wie oft mache ich Dinge, die mich einfach nur anstrengen?

Und wenn ihr euch mit mir darüber austauschen oder etwas über die Bücher von Elaine N. Aron oder Susan Cain wissen möchtet, freu ich mich, von euch zu hören. Wer weiß, vielleicht gründen wir dann irgendwann die coolste Bande von hochsensiblen Hexen in Berlin?

Nächtliche Sommergrüße von der Astrologin *

 

p.s. Susan Cains Homepage:

thepowerofintroverts.com

Und zwei deutschsprachige Seiten:

http://www.zartbesaitet.net/

http://www.hochsensibilitaet.org/

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements