Eure Stille. Eure Musik.

Nichts ist endloser als ein Fische-Vollmond.

Heute Nacht ist die Endlosigkeit am Himmel und wir sind selbst vielleicht irgendwo dort unterwegs, in Gedanken, schreibend, lesend, träumend oder am besten in Musik. Die Fische sind das letzte und das heißt das weiteste, am meisten zur Welt hin geöffnete der drei Wasserzeichen – und das letzte Zeichen des ganzen Tierkreises. Nach ihnen schließt sich der Kreis und beginnt von neuem mit dem Zeichen des Beginns, dem Widder. Im Oktober werden wir einen ganz anderen, Feuer und Aktivität sprühenden Vollmond kennenlernen.

Heute sind wir also verbunden mit Neptun, der das Zeichen Fische regiert und uns alle Bereiche dieser Welt eröffnet: Kunst machen oder darin eintauchen, den Frieden einer Meditation genießen, in Gesang aufgehen, Farben in sich einsickern spüren, besänftigende Sonnenuntergänge anschauen, an einsamen Seen sitzen, vollkommen versunken im Flow an einem Bild malen, spontane Waldspaziergänge machen, ohne nachzudenken etwas aufschreiben, auf einem Instrument improvisieren …

Davon gibt es meistens nicht genug im Alltag. Das Zeichen Jungfrau, in dem die Sonne jetzt steht, ist genau das: Alltägliche Dinge, Routine, Arbeitsleben, Mittagessen mit Kollegen, Feierabendbier … oder was normale Menschen so machen. Bei mir wäre es ein Feierabendtee.

Und jetzt bei Vollmond kommt dafür eine Extraportion Endlosigkeit in dieses Zeichen des täglichen Lebens. Alltag gewürzt mit dem Meer der Unendlichkeit. Ein Schimmer Ewigkeit liegt in der Luft, die wir morgens beim Anziehen einatmen oder in der Luft, die wir abends zwischen Arbeit und Nacht ein paar Sekunden in die Lungen ziehen lassen. Wenn sich diese Gegensätze mischen, ensteht etwas Neues, das inspirieren und verwandeln kann.

Die Fische sind ein offenes, geöffnetes, sich öffnendes Zeichen. Das ist eine große Qualität, die nicht nur angenehm, sondern auch schwierig im Erleben sein kann: Zuviel Gefühl, zu offene Sinne, zuviel Beeinflussbarkeit oder zuviel undefinierte Energie. Es kann sein, dass wir uns verkriechen wollen (das hatte ich schon im Juli angesprochen, als es um den Krebs ging, der am liebsten nur geschützt und gepanzert durch Romantik und Filme, Telefon und Süßigkeiten der Welt begegnen will). Hier ist es ein bisschen ähnlich und ein bisschen anders: Die Fische können sich so anfühlen, dass wir uns nicht mal mehr mit einem HappyEnd Film hinsetzen wollen, sondern am liebsten ganz verschwinden. Manche machen das mit Substanzen, manche mit Meditation, manche fahren einfach weg. Es kann auch sein, dass wir wie der Krebs nur ein bisschen beschützende Ablenkung von den Kanten des Alltags brauchen.

Genauso kann es auch ein großes Geschenk sein, so geöffnet durch die Welt zu gehen: Man trifft besondere Menschen, erlebt mit ihnen besondere Momente, erlebt „Zufälle“, an denen alles perfekt ist, ist in Kontakt mit der eigenen Intuition und wird von ihr geleitet (das ist überhaupt ein großer Spaß, man muss nicht mehr telefonieren, nachdenken, planen, alles geht von alleine), oder man hat einfach auch extrem viel Glück … Loslassen ist auch eine Fische-Qualität, die ich lobreisen möchte: So oft ist es nämlich genau das, was uns unglücklich macht, an einem festgesetzten Bild, einem alten Plan oder einer Erwartung festzukleben… Die Fische wissen, dass alles ständig in Bewegung ist und wir an nichts festhalten können, wie im Meer. Alles fließt und wenn man sich dagegen stellt, wird es sehr anstrengend. Andersrum:

Wenn wir uns dem Fließen anpassen und lernen, wie die Strömungen sich verändern, können wir mit wenig Aufwand um die ganze Welt schwimmen. Auch nicht schlecht.

Was ich liebe ist die Spannung, die zwischen Sonne und Mond entsteht, die sich gegenüberliegen und so verschieden sind, dass die Sonnenqualitäten der Jungfrau ein erdender, strukturierender Ausgleich der sich im All verlierenden Fische sind und genauso auch die Fische mit ihrer Vielschichtigkeit und Weite den vernunftbetonten Eigenschaften der Jungfrau einen gute Ergänzung geben. Das passt. Ich finde interessant, sich zu überlegen, wo man in dieser Spannung selbst steht: Bin ich viel auf der Fische-Seite, bin ich mit Kreativität, Grenzenlosigkeit und Abdriften beschäftigt, oder konzentriere ich mich ständig auf nüchterne Fakten, Tatsachen und Zahlen und vermisse dabei vielleicht das Träumerische, Fließende, das es in der Musik und in der Natur gibt? Habe ich in meinem Alltag beides? In meinem Leben?

Gibt es Zeiten der Endlosigkeit? Der kreativen Hingabe? Oder bin ich zu sehr mit Ordnen und Erklären beschäftigt… Wo stehe ich hier? Habe ich alles, was ich brauche?

Was kann ich mir noch erschaffen – wo kann ich etwas ergänzen und ganz machen?

Hier sind ein paar Jungfrau-Fische-Ergänzungs-Gedanken:

* Wenn man kreativ ist, sich mit der Ordnung und der Systematik der Kunstwerke beschäftigen

* Wer sich zu vernunftgeleitet fühlt, kann mit verschiedenen Formen experimentieren wie Zeichnen, Singen, Summen, alleine nachts in der Küche tanzen, in der Natur sein (das ist deswegen so gut, weil in der Natur alles erlaubt ist)

* Wer viel abdriftet und das ändern will, kann nachhorchen und schauen, was in diesen Momenten die Aufmerksamkeit bindet, was die Anwesenheit im Moment erschwert – schon ist der erste Schritt getan

* Für *Über-Fische*: Essen kochen, den Körper spüren – Bewegung, Gefühle aufschreiben, mitteilen, greifbar machen, vielleicht eins der vielen guten & praktischen Bücher über Hochsensibilität lesen

* Für *Über-Jungfrauen*: Musik an und Augen zu, oder wie Einstein gesagt hat: Musizieren, lieben, Maul halten. Auch: Raus in die Natur als Kontakt zu der Welt der Seele und des Herzens

Ich stelle mir gerade vor, wie ihr alle euren persönlichen Fische und Jungfrau Aktivitäten nachgeht und auf irgendwelchen Inseln im hohen Gras liegt, dem Wind lauscht, Bilder malt, aus Hängematten oder Booten in den Himmel schaut, ein Lied summt, während ihr den Abwasch macht, mit geschlossenen Augen einer Lieblingsmusik zuhört, zwischen herbstlichen Bäumen spazieren geht, HasenheideTiergartenTreptowerPark, in anderen Städten und Ländern einen ruhigen Moment findet und ihn genießen könnt – schöne Vorstellungen! Ich wünsche euch all das – die richtigen Orte zu finden und dort einen oder viele dieser besonderen Augenblicke zu erleben. Findet eure Stille und eure Musik, eure Farben und eure Bäume. Es ist so einfach und so schön, auf diesem Planeten und in diesem Körper zu Hause zu sein. Sending you hugs!

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